NFL Training Camp erklärt: Ablauf, Roster Cuts & Preseason
Das Training Camp ist die mehrwöchige Saisonvorbereitung der NFL-Teams. Ab Ende Juli trainiert jede Franchise mit rund 90 Spielern, testet Neuzugänge und Rookies und kürzt den Kader bis Ende August auf 53 Mann. Hier entscheidet sich, wer Starter wird – und wer es überhaupt ins Team schafft.
Das NFL Training Camp ist die Phase, in der jedes Team die neue Saison vorbereitet – und in der die meisten Vorentscheidungen fallen. Hier formt sich die Depth Chart, also die Rangliste, die pro Position festlegt, wer Starter ist und wer dahinter wartet. Spieler gewinnen oder verlieren ihren Platz darauf – und für einen großen Teil jedes Kaders entscheidet sich, ob sie überhaupt in der Liga bleiben.
Was ist das Training Camp – und wann startet es?
Nach dem ruhigeren Frühjahr mit den freiwilligen OTAs und dem Minicamp ist das Camp die erste Phase mit vollem Kontakt. Ab Ende Juli versammeln die 32 Teams ihre Spieler – zu diesem Zeitpunkt noch rund 90 pro Kader – an ihren Trainingsanlagen oder eigenen Camp-Standorten. Traditionell melden sich die Rookies ein paar Tage vor den Veteranen, damit die Neulinge zusätzliche Zeit haben, das Playbook zu lernen. Über etwa fünf bis sechs Wochen wird trainiert, getestet und aussortiert.
Wie läuft das Camp ab?
Der Tarifvertrag zwischen Liga und Spielergewerkschaft (das CBA) steckt den Rahmen ab. Zu Beginn gibt es eine mehrtägige Akklimatisierungsphase ohne Pads – also ohne die schützende Schulter- und Hüftpolsterung –, bevor mit vollem Kontakt trainiert werden darf. Die Zahl der Einheiten in voller Montur ist auf 16 begrenzt und muss über das Camp verteilt werden. Die früher berüchtigten „Two-a-days“ – zwei harte Einheiten am selben Tag – sind verboten; erlaubt ist höchstens eine Padded Practice pro Tag, dazu langsamere Walkthroughs.
Immer wichtiger werden Joint Practices: gemeinsame Einheiten mit einem anderen Team. Viele Trainer schätzen sie inzwischen höher ein als die Preseason-Spiele, weil sie hochwertige Zweikämpfe gegen fremde Gegner bieten, ohne das volle Verletzungsrisiko echter Tackles. Wer einen Blick hinter die Kulissen dieser Wochen sucht, kennt das vielleicht aus der HBO-Serie „Hard Knocks“, die jeden Sommer ein Team durchs Camp begleitet.
Wie schrumpft der Kader von 90 auf 53? (Roster Cuts)
Die einschneidendste Rechnung des Camps: Aus rund 90 Spielern müssen am Ende 53 werden – gut zwei Fünftel des Kaders werden gestrichen. Seit 2023 passiert das nicht mehr in mehreren Stufen, sondern an einem einzigen Stichtag. Diesen Cutdown, wie die große Kaderkürzung heißt, hat die Liga zuletzt sogar vorgezogen: 2026 müssen alle Teams ihren Kader bis Sonntag, den 30. August, auf 53 Mann reduzieren. Ligaweit trifft es rund um diesen Termin weit über 1.000 Spieler.
Wer den 53er-Kader nicht schafft, ist nicht zwangsläufig weg: Jedes Team darf danach einen 16 Mann starken Practice Squad bilden – einen Trainingskader, der unter der Woche mitarbeitet und aus dem bei Bedarf nachgerückt wird. Viele dieser Plätze gehen an frisch entlassene Spieler, die über die Waiver-Liste eingesammelt werden – eine Art ligaweite Verfügungsliste, über die andere Teams gerade gecuttete Spieler beanspruchen können. Verletzte landen derweil oft auf Sonderlisten wie der PUP-Liste (Physically Unable to Perform) oder der NFI-Liste (Non-Football Injury), auf denen sie sich auskurieren, ohne einen aktiven Kaderplatz zu blockieren.
Was bringen die Preseason-Spiele?
Den öffentlichen Höhepunkt bilden die Preseason-Spiele. Eröffnet wird die Vorbereitung traditionell mit dem Hall of Fame Game in Canton, Ohio – 2026 am 6. August zwischen den Arizona Cardinals und den Carolina Panthers. Danach folgen drei Preseason-Wochenenden: 2026 vom 13. bis 15., vom 20. bis 23. und vom 27. bis 29. August.
Wichtig für Zuschauer: Diese Spiele sind kein verlässlicher Gradmesser für die tatsächliche Stärke eines Teams. Die etablierten Stars stehen oft nur wenige Spielzüge (Snaps) oder gar nicht auf dem Feld – zu groß wäre das Verletzungsrisiko. Die eigentliche Bühne gehört den Wackelkandidaten: Backups und Rookies, die um die letzten Kaderplätze kämpfen. Ein starkes Preseason-Spiel eines unbekannten Namens kann genau der Moment sein, der ihm den Sprung in die 53 sichert.
Kann ich beim Camp zuschauen?
Für viele Fans ist das Camp der nahbarste Teil der NFL-Saison: Zahlreiche Teams öffnen einen Teil ihrer Trainings fürs Publikum – häufig kostenlos, oft mit Autogramm- und Fotogelegenheiten. Die genauen Termine und Zugangsregeln geben die Franchises jedes Jahr über ihre eigenen Kanäle bekannt. Wer in den USA in der Nähe eines Team-Standorts ist, bekommt so die Stars aus nächster Nähe zu sehen.
Warum lohnt sich das Camp für Fans?
Auch aus der Ferne ist das Camp die spannendste Zeit abseits der Saison, weil hier die Weichen gestellt werden. Positionskämpfe werden entschieden, Rookies aus dem jüngsten NFL Draft erobern sich ihre Rolle, und die erste Verletzung kann einen ganzen Plan umwerfen. Wer im Camp aufsteigt, startet oft in Woche 1 – wer abrutscht, findet sich plötzlich auf der Bank wieder.
Diese Bewegung lässt sich Tag für Tag mitverfolgen: Auf InsiderHuddle vergleichen wir jeden Morgen die Depth Charts aller 32 Teams mit dem Vortag – wer neuer Starter ist und wer auf- oder absteigt.
Kurz zum Mitnehmen
- Das Training Camp ist die Saisonvorbereitung, die Ende Juli mit rund 90 Spielern pro Team beginnt.
- Über fünf bis sechs Wochen entscheiden sich Positionskämpfe – und die Depth Charts nehmen Form an.
- Beim Cutdown (2026: Sonntag, 30. August) wird der Kader auf 53 Spieler gekürzt, plus 16 Mann Practice Squad.
- Die Preseason-Spiele testen vor allem Backups und Rookies, nicht die Stars.
- Viele Camps sind öffentlich – Fans können oft kostenlos beim Training zuschauen.