Was ist das International Player Pathway Program?
Das International Player Pathway Program (IPP) ist der Weg der NFL für Sportler, die KEIN US-College durchlaufen haben: Die Liga sichtet sie bei einem eigenen Combine, lässt sie zehn Wochen in Florida ausbilden und stellt sie den Vereinen vor. Jeder der 32 Klubs darf dafür einen zusätzlichen Kaderplatz besetzen.
Am 29. August 2026 haben die New York Giants Defensive Tackle CJ Okoye von den Baltimore Ravens geholt — für einen Siebtrundenpick 2028. Okoye kommt aus Nigeria, war vorher Basketballer und hat nie College-Football gespielt. In die NFL kam er über ein Programm, das im deutschsprachigen Raum kaum jemand kennt, obwohl es für uns der interessanteste Weg überhaupt ist: das International Player Pathway Program, kurz IPP.
So läuft der Weg ins Programm ab
- Sichtung beim International Combine
Die NFL veranstaltet einen eigenen Sichtungstag nach dem Vorbild des großen Combine in Indianapolis. 2021 und 2022 fand er im Tottenham Hotspur Stadium in London statt, jeweils mit 44 Athleten – 2021 aus 15 Nationen. ⚠️ Der Ort ist nicht fest: 2024 wurde an der NFL Academy in Loughborough gesichtet, mit 15 Athleten aus elf Nationen. Eingeladen wird, wer der Liga über Verbände, Scouts oder eine andere Sportart auffällt.
- Der Jahrgang wird verkündet
Wer die Leistungswerte erfüllt, kommt in den Jahrgang. Der Jahrgang 2026 wurde am 15. Dezember 2025 bekanntgegeben: 13 Athleten aus zehn Nationen, darunter der Deutsche Felix Lepper. Der Jahrgang 2025 umfasste ebenfalls 13 Athleten, aus zwölf Nationen.
- Zehn Wochen Ausbildung in Florida
Ab Januar wird zehn Wochen am Stück trainiert. Der Ort hat gewechselt: Der Jahrgang 2025 war an der IMG Academy in Bradenton, der Jahrgang 2026 bei X3 Performance and Physical Therapy in Fort Myers. Wer die Verweise auf die IMG Academy liest, liest also einen älteren Stand.
- Vorstellungstag vor den Scouts
Am Ende steht ein Pro Day, bei dem die Scouts der 32 Vereine zuschauen. Der Jahrgang 2025 zeigte sich im März beim Pro Day der University of South Florida.
- Der Weg in einen Verein
Danach können die Athleten als Free Agent verpflichtet oder sogar gedraftet werden. Wer den Sprung in den 53-Mann-Kader nicht schafft, geht durch die Waiver — und kann anschließend auf den Sonderplatz im Trainingskader.
Die Kaderregel: was ein IPP-Spieler seinem Verein wert ist
Der eigentliche Reiz des Programms liegt nicht in der Ausbildung, sondern in einer Ausnahme im Kaderrecht. Ein internationaler Spieler kostet seinen Verein keinen regulären Platz — er kommt obendrauf. Das macht ihn beim Kaderschnitt zu einem sehr billigen Risiko und ist der Grund, warum Vereine Spieler behalten, die sportlich noch weit weg sind. Wie der Trainingskader sonst funktioniert, haben wir getrennt aufgeschrieben.
| Regel | Was sie bedeutet |
|---|---|
| Ein Extraplatz im Offseason-Kadervom Start des Offseason-Programms bis zum Schnitt auf 53 Spieler | 91 statt 90 Spieler |
| Ein 17. Platz im Trainingskaderreserviert für einen internationalen Spieler — nach NFL-Mitteilung offen für alle 32 Vereine | 16 + 1 |
| Bis zu drei Saisonsdanach gelten für ihn die normalen Kaderregeln | Schonfrist |
| Wer als internationaler Spieler giltStaatsbürgerschaft und Hauptwohnsitz außerhalb der USA und Kanadas, höchstens zwei Jahre US-Highschool | Definition der Liga |
| Abwerbung durch andere VereineDie frühere Sperre ist gefallen — andere Teams dürfen ihn aus dem Trainingskader verpflichten | jederzeit möglich |
Die Zahlen — und wo sie sich widersprechen
Gezählt wird unterschiedlich – Teilnehmer, Vertragsunterschriften oder Spieler mit tatsächlichem Kaderplatz sind drei verschiedene Zahlen. Die NFL selbst nannte im Dezember 2025 siebzig unterschriebene Verträge seit 2017, 22 Spieler in NFL-Kadern und elf im aktiven Kader. Gemessen an den Jahrgangsgrößen heißt das: Ein Kaderplatz ist die Ausnahme, nicht die Regel. Zu den bekanntesten Absolventen zählen Efe Obada (Nigeria), Jordan Mailata (Australien) und der Deutsche Jakob Johnson. Der ehrliche Satz dazu lautet: Das IPP öffnet eine Tür, aber es garantiert nichts.
Wer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kam über das IPP?
Aus Österreich gingen zwei Spieler diesen Weg: Sandro Platzgummer (Running Back, 2020, New York Giants) und Bernhard Seikovits (Tight End, 2021, Arizona Cardinals). Der bekannteste Österreicher der Liga, Bernhard Raimann, kam dagegen nicht über das IPP, sondern über ein US-College und den Draft — nachzulesen in unserer laufend gepflegten Übersicht der DACH-Spieler.
Aus Deutschland ist die Liste länger. Pro Football Network führt (Stand Mai 2025) Jakob Johnson (2019), David Bada (2020), Marcel Dabo (2022) sowie Lorenz Metz und Julius Welschof (beide 2024). Dazu kamen 2025 Leander Wiegand und Kicker Lenny Krieg, und 2026 Felix Lepper, zuvor bei den Hamburg Sea Devils. Jakob Johnson ist der erfolgreichste von allen: Er ist einer der drei Absolventen mit über 1.000 NFL-Snaps.
Dass ein Spieler über das IPP kam, ist übrigens keine Angabe, die man erraten sollte. Für Lorenz Metz ist belegt, dass die New England Patriots ihn im Januar 2026 mit einer international player exemption unter Vertrag nahmen, er also nicht gegen die 90-Mann-Grenze zählte. Welchem Jahrgang er zuzuordnen ist, stützen wir allein auf Pro Football Network.
Und wie sieht es heute aus? In unseren eigenen Kaderdaten stehen am 30. August 2026 — unmittelbar vor dem Kaderschnitt — sieben in Deutschland oder Österreich geborene Spieler bei einem NFL-Verein: Bernhard Raimann (Colts), Valentin Senn (Cardinals), Julius Welschof (Steelers), Kilian Zierer (Jaguars), Lorenz Metz (Patriots), Marlin Klein (Texans) und Paul Rubelt (Buccaneers). ⚠️ Das heißt nicht bei allen „im 53-Mann-Kader": Valentin Senn belegt nach Darstellung der Cardinals den Übungskader-Platz Nummer 17 — also genau den Sonderplatz, um den es in diesem Artikel geht. Gezählt wird das Geburtsland, deshalb fehlen in dieser Zahl in den USA geborene Spieler mit deutschem Bezug wie Amon-Ra St. Brown. Aus der Schweiz stand nach unserer Recherche bislang kein Spieler in einem NFL-Kader — auch nicht über das IPP.
Wie kommt man da rein?
Das ist der Teil, der am häufigsten falsch erzählt wird: Es gibt kein öffentliches Bewerbungsformular für das IPP selbst. Der Einstieg ist der Combine — allerdings die internationale Ausgabe, zu der man eingeladen wird. Wer dort überzeugt, kommt in den Jahrgang; ein Umweg über den Draft ist danach möglich, aber nicht der Regelfall.
- Alter
- Nach Darstellung von Pro Football Network (Stand Mai 2025) höchstens 24 Jahre, und der Highschool-Abschluss muss mindestens vier Jahre zurückliegen.
- Herkunft
- Keine US- oder kanadische Staatsbürgerschaft, Hauptwohnsitz außerhalb dieser beiden Länder, höchstens zwei Jahre US-Highschool.
- Sprache
- Englisch — die gesamte Ausbildung und der Spielbetrieb laufen auf Englisch.
- Zeit
- Zehn Wochen am Stück in Florida, ab Januar. Wer in dieser Zeit einen Job oder ein Studium in Europa laufen hat, muss das vorher klären.
- International Combine
- Der Sichtungstag der NFL für Spieler außerhalb der USA, zuletzt mehrfach in London ausgetragen. Nur auf Einladung.
- Roster Exemption
- Die Ausnahme, durch die ein internationaler Spieler nicht gegen die Kadergrenze zählt — der eigentliche Vorteil des Programms.
- Gameday Elevation
- Das Hochziehen eines Trainingskader-Spielers für ein einzelnes Spiel. Ob es für IPP-Spieler auf dem 17. Platz gilt, ist in den Quellen strittig.
Einen bestätigten Termin für den nächsten International Combine haben wir zum 30. August 2026 nicht gefunden. Das Muster der letzten Jahre: Sichtung im Herbst, Bekanntgabe des Jahrgangs im Dezember, Ausbildung ab Januar. Wir schreiben den Termin hier nach, sobald die Liga ihn nennt — geraten wird er nicht.
Kurz zum Mitnehmen: Das IPP läuft seit 2017 und ist der einzige Weg in die NFL ohne US-College. Gesichtet wird beim International Combine auf Einladung, ausgebildet wird zehn Wochen in Florida — 2026 nicht mehr an der IMG Academy, sondern in Fort Myers. Der Jahrgang 2026 umfasst 13 Athleten aus zehn Nationen, darunter der Deutsche Felix Lepper. Der Vorteil für die Vereine ist ein Kaderplatz obendrauf: 91 statt 90 in der Offseason, danach ein 17. Platz im Trainingskader, bis zu drei Saisons lang. Aus Österreich kamen Platzgummer und Seikovits, aus Deutschland unter anderem Jakob Johnson, David Bada, Marcel Dabo, Lorenz Metz, Julius Welschof, Leander Wiegand und Lenny Krieg. Aus der Schweiz bislang niemand. Stand: 30. August 2026.
Woher die Angaben stammen
Ablauf und Grundregeln: NFL Football Operations, Übersichtsseite zum International Player Pathway (abgerufen am 30. August 2026, Stand der Seite unklar — sie beschreibt noch das ältere Divisionsmodell). Jahrgang 2026, Kaderregel und Ausbildungsort: NFL-Mitteilung vom 15. Dezember 2025. Jahrgang 2025, IMG Academy und Pro Day: NFL-Mitteilung zum Jahrgang 2025. Trainingskader-Regeln und Elevations: Darstellung der Atlanta Falcons vom 28. August 2025 sowie ein Praxis-Bericht zu Lorenz Metz vom 21. Juli 2026, die sich in einem Punkt widersprechen. Teilnehmerzahlen, Voraussetzungen und die DACH-Jahrgänge: Pro Football Network, Stand Mai 2025. Zum Trade von CJ Okoye: CBS Sports vom 29. August 2026. Die sieben aktuellen DACH-Spieler stammen aus unseren eigenen Kaderdaten, abgefragt am 30. August 2026 vor dem Kaderschnitt. Wo etwas nicht belegt war, steht es hier als offen und nicht als Tatsache.
- Welche Deutschen und Österreicher spielen 2026 in der NFL? →
- CJ Okoye kommt zu den Giants — der IPP-Spieler im Trade →
- Was ist der Practice Squad? NFL-Trainingskader erklärt →
- Was ist der NFL Combine? →
- Was ist der NFL Draft? →
- NFL Training Camp erklärt: Ablauf, Roster Cuts & Preseason →
- Selbst spielen: Wie fange ich in Österreich mit Football an? →