Harrison Smith bleibt: 15. Saison bei den Vikings — und eine Statistik, in der sonst nur Hall-of-Famer stehen
Die Minnesota Vikings hatten ihren Safety im letzten Saisonspiel längst verabschiedet — mit Ehrenauszeit und stehendem Publikum. Zurückgetreten ist Harrison Smith nie. Jetzt kommt er mit 37 Jahren für ein 15. Jahr zurück, acht Tage vor dem Saisonauftakt gegen Green Bay.
Die Minnesota Vikings und Harrison Smith haben sich am Samstag auf einen neuen Vertrag geeinigt. Der Verein bestätigte die Rückkehr seines Safeties für die 15. Saison. Es ist ein Einjahresvertrag über 12,25 Millionen Dollar, der über Boni auf bis zu 16,25 Millionen steigen kann — diese Zahlen nennt NFL Network, ESPN führt sie in seinem Bericht an. Smith ist damit nach Linebacker Kyle Van Noy der zweite erfahrene Verteidiger, den Minnesota in dieser Woche verpflichtet hat.
Der Abschied, der keiner war
Im Verein hatten viele damit gerechnet, dass Smith aufhört. Die Vikings luden seine Frau und seine Kinder in Woche 11 dazu ein, das Gjallarhorn auf dem Dach des U.S. Bank Stadium zu blasen. Im letzten Saisonspiel — ausgerechnet gegen Green Bay — arrangierte Head Coach Kevin O'Connell mit dem Schiedsrichter eine Auszeit zu Ehren von Smith, damit ihn das Publikum verabschieden konnte. O'Connell wollte ihn danach für einen letzten Spielzug aufs Feld schicken, doch Minnesota bekam den Ball beim 16:3 nicht mehr zurück.
Gesagt hat Smith damals nur, dass er nachdenken müsse.
„Es ist etwas Besonderes. Ich nehme das nicht als selbstverständlich."
Im März lösten die Vikings seinen Vertrag auf — aus verfahrenstechnischen Gründen im Zusammenhang mit der Salary Cap. Ein Rücktritt war das ausdrücklich nicht. Smith hat nie einen erklärt.
Warum die Vikings ihn jetzt brauchen
Minnesota hatte die Position eigentlich anders geplant: ein Drittrunden-Pick auf Jakobe Thomas aus Miami, dazu die Verpflichtung von Jamal Adams kurz vor dem Trainingslager, ansonsten Josh Metellus, Theo Jackson und Jay Ward.
Dann wurde es dünn. Jackson fiel mit einer Beinverletzung aus, Thomas verpasste wegen Rückenproblemen einen großen Teil des Sommers, und Adams riss sich den rechten Quadrizeps — Saison beendet, bevor sie begann.
14 Jahre in Zahlen
Smith kam 2012 als 29. Pick der ersten Runde von Notre Dame und war sofort Stammspieler. Als Rookie fing er drei Pässe ab und trug zwei davon in die Endzone zurück. In seiner zweiten Saison verpasste er wegen einer Fußverletzung die Hälfte der Spiele — danach stand er in 183 von 197 möglichen Partien auf dem Feld.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Spiele (davon als Starter) | 207 (203) |
| Tackles | 1.180 |
| Interceptions | 39 |
| Sacks | 21,5 |
| Tackles for Loss | 51 |
| Erzwungene Fumbles | 13 |
| Eroberte Fumbles | 10 |
| Abgewehrte Pässe | 106 |
| Touchdowns für die Defense | 4 |
| Pro Bowls | 6 |
| All-Pro | First Team 2017, Second Team 2018 |
Die Liste, in der sonst nur Hall-of-Famer stehen
Die interessanteste Zahl steht nicht in der Tabelle, sondern ergibt sich aus zweien davon. Nach einer Recherche von ESPN gibt es in der Geschichte der NFL genau sechs Defensive Backs mit mindestens 35 Interceptions und mindestens 20 Sacks. Die anderen fünf heißen Charles Woodson, Larry Wilson, Ronde Barber, LeRoy Butler und Brian Dawkins.
Alle fünf stehen in der Pro Football Hall of Fame.
Nur Barber liegt in beiden Werten vor Smith (28 Sacks, 47 Interceptions). Was das für Smiths eigene Aussichten auf Canton bedeutet, entscheidet frühestens ein Wahlgang fünf Jahre nach seinem letzten Spiel — und dieses Spiel ist gerade wieder in die Zukunft gerückt.
Warum 21,5 Sacks für einen Safety ungewöhnlich sind
Ein Safety steht am weitesten hinten. Seine Hauptaufgabe ist, tiefe Pässe zu verhindern — er ist die letzte Instanz, bevor es einen Touchdown gibt. Zum Quarterback hat er den weitesten Weg aller Verteidiger.
Dass einer aus dieser Position über 21 Sacks sammelt, heißt: Sein Trainerstab hat ihn über Jahre nicht nur hinten stehen lassen, sondern ihn geschickt — als Blitzer, an der Linie, in der Mitte. Genau diese Doppelrolle beschreibt die Statistik oben. Sein Spitzname in Minnesota: „The Hitman".
Dass er das noch kann, hat er zuletzt am Weihnachtstag gezeigt: beim 23:10 gegen die Detroit Lions gelangen ihm ein Sack, eine Interception, zwei Tackles hinter der Linie und drei abgewehrte Pässe — in einer Saison, in der er das Trainingslager und die ersten beiden Spiele wegen einer persönlichen gesundheitlichen Angelegenheit verpasst hatte.
Wie es weitergeht
O'Connell hatte im Sommer gesagt:
„Ich glaube, Harrison Smith will Football spielen, bis er alt und grau ist. Was, soweit ich weiß, noch nicht passiert ist."
Smith selbst hat für seine Rückkehr eine schlichte Begründung:
„Es ging immer um die Mitspieler. Um die Beziehungen."
Seinen ersten Auftritt in Saison 15 hat er am Sonntag, 13. September, um 22:25 Uhr — zu Hause gegen die Green Bay Packers. Also gegen dasselbe Team, das beim letzten Saisonspiel zusehen musste, wie ein Stadion sich von einem Spieler verabschiedete, der nicht ging.
Alle Aufstellungen und Positionswechsel des Kaders stehen laufend aktualisiert in unserer Depth Chart der Minnesota Vikings.
Für Standard-Ligen ohne Bedeutung — Safeties bringen dort keine eigenen Punkte. In IDP-Ligen ist Smith dagegen ein Sonderfall: Er liefert seit Jahren beides, Interceptions und Sacks, und genau diese Mischung ist auf der Position selten. Zwei Vorbehalte gehören dazu: Er ist 37, und er hat im Vorjahr das komplette Trainingslager verpasst. Wer ihn zieht, holt Wochen mit zwei Ausschlägen und Wochen ohne jeden Punkt.