Daumen-OP bei Tyler Smith: Die Cowboys verlieren ihren besten Guard für vier bis sechs Wochen – mindestens aber für vier Spiele

Die Dallas Cowboys verlieren ihren besten Guard, bevor die Saison überhaupt begonnen hat. Tyler Smith lässt am Daumen operieren und fehlt vier bis sechs Wochen – das sagte Head Coach Brian Schottenheimer am Montag. Weil Smith dafür auf die Injured Reserve wandern soll, ist die untere Grenze keine Prognose mehr, sondern eine Regel: mindestens vier Spiele.

Guard Tyler Smith wird am Daumen operiert und fehlt den Dallas Cowboys vier bis sechs Wochen. Head Coach Brian Schottenheimer bestätigte das am Montag vor Reportern. Smith war beim Training am Montag nicht zu sehen – daraus entstanden die Fragen, auf die der Trainer dann antwortete.

Es ist kein akuter Bruch, der ihn zwingt. Es ist eine Abwägung.

Warum ausgerechnet jetzt

Der Daumen hatte Smith schon länger eingeschränkt. Mit der kompletten Saison vor sich entschied er, das Problem jetzt beheben zu lassen statt im Dezember.

„Am Ende des Tages hatte er das Gefühl, dass er die Dinge, die er tun muss, nicht auf hohem Niveau tun kann."

Schottenheimer hat das an einer Stelle sehr konkret gemacht, und diese Stelle erklärt den ganzen Vorgang:

„Man versucht immer erst, ob man so etwas durchspielen kann. Er hat solche Dinge schon gemacht, wie viele Spieler. Nur: Wenn man Offensive Lineman ist, sind Griffkraft und solche Sachen wirklich wichtig."

Genau das ist der Punkt. Ein Offensive Lineman blockt nicht nur mit Schultern und Beinen, er greift und hält – und ein Daumen, der das nicht mehr sicher mitmacht, kostet in jedem einzelnen Spielzug ein paar Prozent. Über eine ganze Saison summiert sich das zu mehr, als vier Spiele Pause kosten.

Die Injured Reserve macht aus einer Prognose eine Rechnung

Smith soll für den Ausfall auf die Injured Reserve gesetzt werden. Offiziell vollzogen ist dieser Schritt noch nicht – Pro Football Talk formuliert ihn als geplant. Sobald er es ist, ändert sich die Lesart der Zahl.

Denn wer während der Saison auf die Injured Reserve wandert, muss mindestens vier Spiele aussetzen. Aus „vier bis sechs Wochen" wird damit eine harte Untergrenze: Die Wochen 1 bis 4 sind weg, unabhängig davon, wie schnell der Daumen heilt. Ein Team darf pro Saison bis zu acht Spieler von der Injured Reserve zurückholen, jeden einzelnen davon höchstens zweimal.

Für die Cowboys hat der Schritt auch einen Vorteil: Ein Spieler auf der Injured Reserve zählt nicht gegen den 53-Mann-Kader. Dallas kann den Platz nachbesetzen.

Das Rückkehrfenster liegt damit zwischen Woche 5 und Woche 7. Vier Wochen ab der Operation wären Anfang Oktober – die Rückkehr wäre also frühestens am 9. Oktober gegen Tampa Bay möglich. Sechs Wochen führen bis zum 19. Oktober, dem Tag des Spiels in Green Bay. Wird es die obere Grenze, ist auch dieses Spiel weg.

Wer ihn ersetzt

T.J. Bass rückt auf Left Guard. Schottenheimer hat ihn im selben Atemzug genannt, in dem er den Ausfall bestätigte:

„Deshalb wollten wir T.J. Bass unbedingt haben und ihn zurückholen. Ich finde, er hat viel richtig guten Football für uns gespielt, und wir erwarten, dass er das weiter tut."

Bass ist im vierten Profijahr. Die Depth Chart von ESPN führte ihn am Montagabend als Nummer zwei hinter Smith – er ist also kein Notnagel, sondern der eingeplante Vertreter.

Was Dallas trotzdem verliert, lässt sich schlecht kleinreden. Smith kam 2022 als Erstrundenpick aus Tulsa, spielte als Rookie Left Tackle und wurde danach in drei Jahren dreimal in den Pro Bowl gewählt, dazu 2023 ins Second-Team All-Pro. In drei seiner vier Jahre stand er in mindestens 16 Spielen auf dem Feld. Er war der feste Punkt einer Line, die um ihn herum mehrfach umgebaut wurde.

Das zweite Problem steht direkt daneben

Der Ausfall trifft nicht auf eine gesunde Line. Am Montagabend führte ESPN neben Smith („doubtful") auch Left Tackle Tyler Guyton als questionable – das wären beide Positionen der linken Seite auf einmal. Als Absicherung dahinter steht Broderick Jones, den Dallas Ende August von den Pittsburgh Steelers geholt hat. Ersatz-Center Matt Hennessy steht ohnehin schon auf der Injured Reserve.

Die Mitte der Offensive Line hieße zum Auftakt damit voraussichtlich Bass – Cooper Beebe – Tyler Booker, mit einem angeschlagenen Tackle links daneben. Für einen Quarterback ist das die unangenehmere Sorte Baustelle: Druck von außen kann man umlaufen, Druck durch die Mitte kommt einem entgegen.

Der Spielplan ohne ihn

Alle Zeiten in Wiener Zeit. Die Wochen 1 bis 4 verpasst Smith nach der Regel sicher, die Wochen 5 und 6 sind das Rückkehrfenster.

WocheTerminGegnerBesonderheit
1Mo, 14.09., 02:20@ New York GiantsSunday Night Football – der Auftakt
2So, 20.09., 22:25Washington CommandersDivisionsduell, spätes Sonntagsfenster
3So, 27.09., 22:25Baltimore Ravensin Rio de Janeiro – siehe unsere Übersicht der International Games
4So, 04.10., 19:00@ Houston Texansfrühes Sonntagsfenster, für DACH die angenehmste Zeit
5Fr, 09.10., 02:15Tampa Bay BuccaneersThursday Night Football – frühestmögliche Rückkehr
6Mo, 19.10., 02:20@ Green Bay PackersSunday Night Football – bei sechs Wochen ebenfalls ohne ihn

Drei Anmerkungen für die Planung: Das Spiel in Woche 3 findet auf neutralem Boden in Brasilien statt, Dallas ist dort formal Heimteam. Woche 4 in Houston ist das einzige Spiel dieser Serie, das im DACH-Raum zu einer normalen Abendzeit läuft. Und Woche 5 ist ein Donnerstagsspiel, das bei uns in der Nacht auf Freitag liegt – wer Smiths Comeback sehen will, sollte sich das früh notieren. Wo die Spiele laufen, steht in unserer TV-Übersicht und im Abo-Vergleich.

Was jetzt zu beobachten ist

Drei Dinge entscheiden, ob aus dem Ärgernis ein Problem wird.

Erstens die Formalie. Solange die Injured Reserve nicht vollzogen ist, ist die Vier-Spiele-Grenze nur eine Erwartung. Steht die Transaktion, ist sie Fakt.

Zweitens Guyton. Ein Ausfall auf Left Guard ist zu verkraften. Zwei Ausfälle nebeneinander auf der linken Seite sind eine andere Baustelle – besonders in einem Auftaktspiel zur besten Sendezeit.

Drittens Bass selbst. Schottenheimer hat ihn öffentlich gelobt, und Lob eines Trainers ist keine Leistung. Die ersten beiden Spiele zeigen, ob Dallas den Ausfall wirklich abfedern kann – oder ob die Cowboys sechs Wochen lang darauf warten, dass ihr bester Guard zurückkommt.

Die laufend aktualisierte Aufstellung steht in unserer Depth Chart der Dallas Cowboys.

Fantasy-Take

Ein Guard bringt in keiner Liga eigene Punkte – der Ausfall wirkt trotzdem, nur eben um die Ecke. Betroffen ist zuerst Javonte Williams: Läufe zwischen den Tackles gehen über genau die Lücke, die Smith sonst aufreißt, und sein Ersatz T.J. Bass ist erfahren, aber kein Pro Bowler. Wer Williams gedraftet hat, sollte in den ersten vier Wochen mit mehr Ausreißern nach unten rechnen – nach oben bleibt dagegen alles möglich. Die Touchdowns aus kurzer Distanz fallen weiter an, aber die verlässlichen Wochen mit 15 Punkten werden seltener. Dak Prescott ist der zweite Betroffene: Druck durch die Mitte ist der Druck, dem ein Quarterback nicht ausweichen kann, weil er nach vorne kommt und nicht von der Seite. Für CeeDee Lamb und George Pickens ändert sich dagegen wenig bis nichts – niemand verkauft die beiden wegen eines Guards, und wenn das Laufspiel stockt, steigt eher das Passvolumen. Kurz: Williams vorsichtiger einschätzen, Prescott in Wochen mit starkem gegnerischem Innendruck nicht als Streaming-Option wählen, die Receiver unangetastet lassen.