Jonathan Taylor: Warum der Colts-Trainerstab bei seiner Belastung uneins ist
Die Colts wollen die Last von ihrem Star-Running-Back nehmen – so klingt es zumindest aus dem Positionsraum. Head Coach Shane Steichen sagt etwas anderes. Für Fantasy-Manager hängt an genau dieser Differenz der Draft-Wert eines Top-5-Picks.
Jonathan Taylor hat die Saison 2025 mit einer Arbeitslast beendet, die ligaweit ihresgleichen sucht: 323 Läufe waren der Höchstwert der NFL, dazu kamen 1.585 Rushing Yards und 18 Rushing-Touchdowns – ebenfalls Liga-Bestwert. In 17 Spielen fing er zusätzlich 46 Pässe für 378 Yards und zwei weitere Touchdowns, ein Karrierebestwert im Passspiel. Am Ende stand der dritte Pro-Bowl-Auftritt seiner Laufbahn. Genau diese Zahl – 323 Carries – ist der Grund, warum in Indianapolis über die Belastung des mittlerweile 27-Jährigen gesprochen wird.
Zwei Aussagen, zwei Richtungen
Running-Backs-Coach DeAndre Smith hat die Marschrichtung öffentlich formuliert: Man müsse Wege finden, Taylor Last abzunehmen. Findet sich ein weiterer Back, der einen Teil der Läufe übernimmt, werde Taylor davon nur profitieren. Head Coach Shane Steichen klingt spürbar zurückhaltender – es sei schwer, Taylor vom Feld zu nehmen, wenn er so gut laufe. Das ist kein Streit, aber es ist eine Differenz, und sie verläuft entlang der Zuständigkeit: Der Positionscoach denkt über die Saison, der Head Coach entscheidet am Spieltag.
Die Konkurrenz ist dünn
Entscheidend ist, dass die Colts in dieser Offseason keine namhafte Konkurrenz für die Backfield-Rolle verpflichtet haben. Um die Rolle hinter Taylor konkurrieren DJ Giddens, ein Fünftrundenpick des Drafts 2025 aus Kansas State, und Seth McGowan, den Indianapolis in Runde 7 des Drafts 2026 aus Kentucky zog. Beide sind unerfahren, beide haben laut Berichten im Frühjahr einen ordentlichen Eindruck hinterlassen – aber niemand von beiden ist ein etablierter NFL-Back. Eine angekündigte Entlastung ohne Personal, das sie umsetzen kann, bleibt vorerst eine Absichtserklärung.
Im Hintergrund läuft der Vertrag aus
Taylor geht in das letzte Jahr seines Dreijahresvertrags über 42 Millionen Dollar. Sein Grundgehalt für 2026 liegt bei rund 11,98 Millionen – deutlich unter dem, was die bestbezahlten Running Backs der Liga verdienen. Eine Verlängerung ist bislang nicht unterschrieben, und laut Berichten laufen derzeit nicht einmal Gespräche. Taylor selbst hat mehrfach erklärt, er wolle „Colt for life" sein.
Damit rückt ein zweites Szenario in den Blick: Berichten zufolge wird erwartet, dass Taylor zum Trainingscamp erscheint – die Colts-Veteranen melden sich am 28. Juli, der erste Trainingstag ist der 29. Juli –, dort aber möglicherweise nicht voll an den Team-Drills teilnimmt. Ein solcher „Hold-in" ist ein gängiges Druckmittel in Vertragsverhandlungen und hätte für die Belastungsfrage mehr Gewicht als jede Absichtserklärung aus dem Positionsraum.
Vorsicht vor Überreaktion. Eine Workload-Ankündigung aus dem Positionsraum im Juli hat wenig Gewicht, solange der Head Coach anders klingt und keine echte Konkurrenz im Kader steht. Taylor bleibt ein Top-RB im Fantasy-Draft, und ein Spieler im letzten Vertragsjahr hat zusätzlich jeden Anreiz, Volumen zu liefern.
Das eigentliche Risiko ist nicht die Snap-Verteilung, sondern die Vertragslage: Sollte Taylor im Camp tatsächlich Team-Drills auslassen, um Druck aufzubauen, verschiebt das die Vorbereitung – und hält Trade-Spekulationen am Leben. Konkret beobachten: Meldet sich Taylor am 28. Juli normal, und bekommt DJ Giddens in Camp und Preseason echte Reps mit der ersten Offense? Erst das wäre ein Signal. Bis dahin gibt es keinen Grund, Taylor im Draft fallen zu lassen.