Stefon Diggs zu den Commanders: ein Jahr, bis zu 12 Millionen Dollar
Washington holt für Jayden Daniels den zweiten Receiver neben Terry McLaurin: Stefon Diggs kommt laut übereinstimmenden Berichten für ein Jahr.
Stefon Diggs wechselt zu den Washington Commanders. Gemeldet haben es am Mittwoch übereinstimmend Ian Rapoport (NFL Network) und Adam Schefter (ESPN): ein Jahr, bis zu zwölf Millionen Dollar. Offiziell bestätigt ist der Wechsel zum Zeitpunkt dieser Meldung noch nicht — die Formulierung „bis zu" bedeutet außerdem, dass ein Teil der Summe an Bedingungen hängt; wie sich Grundgehalt und Boni aufteilen, ist bislang nicht berichtet.
Sportlich ist das kein Notnagel. Diggs führte 2025 die New England Patriots mit 1.013 Yards an, dazu 85 Fänge und vier Touchdowns — und die Patriots standen am Ende der Saison im Super Bowl. Bemerkenswert ist vor allem seine Fangquote: 83,3 Prozent der auf ihn geworfenen Bälle kamen an. Das ist der zweitbeste Wert, den ein Wide Receiver in den vergangenen 45 Spielzeiten erreicht hat; besser war nur Michael Thomas 2018 mit 85 Prozent. Zwischen 2020 und 2023 fing Diggs außerdem in vier Saisons in Folge jeweils mehr als 100 Bälle — die zweitlängste Serie der NFL-Geschichte.
Warum ist ein solcher Spieler dann Anfang August überhaupt noch zu haben? Hier lohnt eine Erklärung, weil der Mechanismus im europäischen Sport keine Entsprechung hat. NFL-Verträge sind grundsätzlich nicht garantiert, und jedes Team darf pro Saison nur eine feste Gesamtsumme an Gehältern verbuchen — den Salary Cap. Entscheidend ist deshalb nicht allein, was ein Spieler wert ist, sondern wie viel von dieser Obergrenze er in einem bestimmten Jahr belegt. Bei Diggs wäre dieser Betrag von 10,5 Millionen auf 26,5 Millionen Dollar in jedem der kommenden zwei Jahre gestiegen. New England entließ ihn daraufhin im März, noch vor Beginn der Free Agency. Ein Verein trennt sich in solchen Fällen nicht vom Spieler, sondern von dessen Buchungsposten.
Dass er danach fast fünf Monate ohne Verein blieb, hat mehrere Gründe: sein Alter — Diggs ist 32 und geht in seine zwölfte Saison —, Schlagzeilen abseits des Feldes, und ein Kreuzbandriss, den er sich 2024 bei den Houston Texans zugezogen hatte und der ihm damals das Saisonende kostete. Die 1.013 Yards des Vorjahres sind allerdings der Beleg, dass die Verletzung ausgestanden ist.
Für Washington passt der Abschluss in eine Lücke, die dort offensichtlich war. Das Geld der Free Agency floss überwiegend in die Defense, und hinter Terry McLaurin fehlte ein zweiter verlässlicher Passempfänger. Quarterback Jayden Daniels kommt aus einer zweiten Saison, die von Verletzungen gestört war — ein erfahrener Receiver mit einer Fangquote wie der von Diggs ist für einen jungen Spielmacher eher Entlastung als Konkurrenz.
In unseren Depth Charts (Stand 5. August, 11:54 UTC) taucht Diggs noch nicht auf, weil der Wechsel noch nicht offiziell ist. Hinter McLaurin stehen dort aktuell Drittrunden-Rookie Antonio Williams, Luke McCaffrey und Treylon Burks. Sobald Washington den Vertrag bestätigt und die Kaderdaten nachziehen, erscheint die Veränderung automatisch in unserer Depth-Chart-Übersicht und im Änderungs-Radar.
Der Wechsel verändert zwei Bewertungen, nicht nur eine. Diggs selbst ist ab sofort wieder ein Kandidat für die hinteren Draft-Runden: Ein Receiver, der im Vorjahr 85 Bälle bei 83,3 Prozent Fangquote gefangen hat, landet in Washington in der klaren Nummer-zwei-Rolle — das ist deutlich mehr Volumen, als man in dieser Draftregion sonst bekommt. Der zweite, unangenehmere Teil betrifft die Spieler dahinter: Antonio Williams, Luke McCaffrey und Treylon Burks verlieren an einem einzigen Tag ihre Aussicht auf Zielbälle. Wer einen von ihnen als Sleeper eingeplant hatte, sollte das streichen. Bei Terry McLaurin ändert sich dagegen wenig — er bleibt die Nummer eins; im besten Fall bekommt er sogar leichtere Deckungen, weil die gegnerische Defense sich nicht mehr allein auf ihn konzentrieren kann. Eine Einschränkung bleibt: Diggs ist 32, kommt aus einem Kreuzbandriss im Jahr 2024, und ein Einjahresvertrag ist kein Versprechen auf eine große Rolle. Als sicherer Starter taugt er nicht, als später Pick mit realistischem Weg zu Volumen schon.