Laremy Tunsil: Trizeps gerissen – Commanders verlieren ihren Left Tackle wohl für die Saison 2026
Der Left Tackle der Commanders hat sich im Training den Trizeps gerissen. Eine Operation steht an – und Jayden Daniels verliert seinen Blindside-Schutz.
Laremy Tunsil hat sich am Samstag im Training Camp der Washington Commanders den Trizeps gerissen. Der Left Tackle verletzte sich in einer Eins-gegen-eins-Übung gegen Pass-Rusher Odafe Oweh, griff sich an die Schulter und verließ das Feld. Eine Operation ist nötig. Nach übereinstimmenden Berichten von NFL Network und ESPN fällt er mindestens für einen erheblichen Teil der Saison 2026 aus; CBS Sports berichtet, es dürften die meisten Spiele werden, womöglich alle.
Für Washington ist das der schwerste denkbare Ausfall an der empfindlichsten Stelle. Tunsil ist fünfmaliger Pro Bowler, kam im Frühjahr 2025 per Trade aus Houston und wurde erst im März für zwei Jahre und 60,2 Millionen Dollar verlängert – gut 30 Millionen pro Jahr und damit laut CBS Sports der erste Offensive Lineman der Liga oberhalb dieser Marke. Am Sonntag vor der Verletzung ist er 32 geworden.
Warum ausgerechnet der Left Tackle so schwer zu ersetzen ist
Die Offensive Line besteht aus fünf Spielern, aber austauschbar sind sie nicht. Der Left Tackle steht bei einem rechtshändigen Quarterback auf der Seite, die dieser beim Zurückweichen nicht im Blick hat – der Blindside. Wer dort durchbricht, trifft auf einen Passgeber, der ihn nicht kommen sieht. Genau deshalb ist diese Position seit Jahrzehnten die bestbezahlte der gesamten Line.
Wie viel Tunsil dort wert war, lässt sich beziffern. In der Saison vor seiner Ankunft ließ Washington die siebtmeisten Sacks der Liga zu. Mit ihm auf der linken Seite verbesserte sich der Wert auf Rang 18. Das ist der Unterschied zwischen einer Dauerbaustelle und einem gelösten Problem.
Dabei war er in Washington bereits einmal angeschlagen: Eine Oberschenkelverletzung kostete ihn 2025 drei Spiele, er kam auf 14 Einsätze als Starter. Der Trizeps ist eine andere Größenordnung. Der Muskel streckt den Arm – also genau die Bewegung, mit der ein Tackle einen anlaufenden Verteidiger auf Abstand hält.
Wer jetzt links außen spielt
Unmittelbar nach der Verletzung rückte Andrew Wylie im Training auf die Position, und ESPN hält ihn auch für die wahrscheinlichste Dauerlösung. Wylie hat in seiner Karriere überwiegend rechts und innen gespielt; er ist ein brauchbarer Ersatz, kein gleichwertiger. Als weitere Option im Kader gilt Brandon Coleman.
Die naheliegende Alternative wäre, Josh Conerly Jr. von rechts nach links zu ziehen – Washington hatte den Tackle 2025 in der ersten Runde gedraftet. Das würde das Loch allerdings nur verschieben, nicht schließen. Bemerkenswert ist das Timing: Bereits am selben Samstag, noch vor der Verletzung, hatte Washington die Offensive Liner Daniel Brunskill, Nicholas Petit-Frere und Max Scharping verpflichtet – nach Vereinsangaben, um den Positionskampf zu verschärfen, nicht als Reaktion auf einen Ausfall.
Ob Tunsil in dieser Saison überhaupt noch einmal spielt, hängt auch davon ab, wann und in welcher Form Washington ihn auf die Verletztenliste setzt. Welche Fristen dabei gelten und wann eine Rückkehr erlaubt ist, steht in unserer Erklärung zur Injured Reserve.
Was das für Jayden Daniels heißt
Der gesamte Aufbau der Commanders hängt an ihrem Quarterback, und Tunsil war die teuerste Einzelmaßnahme, um ihn heil durch die Saison zu bringen. Fällt dieser Schutz weg, verschiebt sich Daniels' Profil: mehr Druck von links, kürzere Zeit im Pocket, mehr Spielzüge, die er mit den Beinen retten muss.
Für Fantasy-Manager ist das zweischneidig. Läufe des Quarterbacks bringen Punkte, und Daniels' Bodenwert könnte dadurch eher steigen als fallen. Der Preis dafür ist ein höheres Verletzungsrisiko und eine unruhigere Passoffensive – was wiederum die Zielzahlen der Passempfänger drückt, unter anderem beim erst vor wenigen Tagen verpflichteten Stefon Diggs. Wer Daniels draftet, sollte das einpreisen, aber nicht überschätzen: Ein Ausfall in der ersten Augustwoche lässt Washington noch gut vier Wochen, um die Linie neu zu sortieren.
Jayden Daniels bleibt draftbar, aber das Risikoprofil ändert sich: mehr Läufe, mehr Druck, mehr Verletzungsgefahr. Wer auf einen ruhigen QB1 aus war, sollte einen Backup einplanen. Passempfänger der Commanders – allen voran Terry McLaurin und Neuzugang Stefon Diggs – verlieren einen Teil ihres Aufwärtspotenzials, weil eine gehetzte Offensive weniger tiefe Bälle produziert.
- Verletzung am Samstag, 8. August 2026, im Training Camp – Eins-gegen-eins gegen Odafe Oweh.
- Zweite Verletzung in weniger als zwei Jahren in Washington: 2025 fielen drei Spiele wegen des Oberschenkels aus.
- Zur Dauer des Ausfalls gibt es bislang keine Vereinsangabe, nur Berichte: 'erheblicher Teil der Saison' (NFL Network/ESPN) bis 'die meisten, womöglich alle Spiele' (CBS Sports).