NFL-Tiebreaker erklärt: Wer bei gleicher Bilanz in die Playoffs kommt
Bei gleicher Bilanz entscheidet eine feste Reihenfolge von Kriterien. Innerhalb einer Division zählt zuerst der direkte Vergleich, dann der Division-Rekord, dann die gemeinsamen Gegner, dann die Conference-Bilanz. Bei Teams aus verschiedenen Divisions fällt der Division-Rekord weg, dafür rückt die Conference-Bilanz auf Platz zwei. Am Ende der Liste steht ein Münzwurf. Wichtig vorab: Ein Division-Sieger steht immer vor jedem Wild-Card-Team, egal wie die Bilanzen aussehen.
Im Dezember steht es in jeder zweiten Tabelle: zwei Teams, dieselbe Bilanz, aber nur ein Platz. Wer weiterkommt, entscheidet kein Zusatzspiel und keine Punktedifferenz, sondern eine feste Liste von Kriterien, die von oben nach unten abgearbeitet wird. Dieser Artikel geht sie durch – und erklärt die drei Stellen, an denen sich die meisten verrechnen.
Zuerst die Regel, die alles andere schlägt
Bevor überhaupt ein Kriterium greift, steht eine Trennung: Die vier Division-Sieger einer Conference belegen die Setzplätze 1 bis 4, die drei Wild-Card-Teams die Plätze 5 bis 7. Ein Division-Sieger mit 9-8 wird also vor einem Wild-Card-Team mit 13-4 gesetzt – die Bilanz spielt dabei keine Rolle. Welche Teams zu welcher Division gehören, steht in unserem Artikel zum Aufbau der NFL.
Der Tiebreaker entscheidet also nie, ob ein Division-Sieger hinter ein Wild-Card-Team rutscht. Er entscheidet nur zwei Dinge: wer eine Division gewinnt, und wer die Wild-Card-Plätze in welcher Reihenfolge bekommt. Wie es danach weitergeht, steht bei den NFL-Playoffs.
Zwei Teams aus derselben Division
Der häufigste Fall: Zwei Teams derselben Division haben dieselbe Bilanz, es geht um den Divisionstitel. Hier ist die Liste am längsten, weil beide Teams denselben Gegnerkreis hatten und deshalb viel vergleichbar ist.
| Schritt | Fachbegriff |
|---|---|
| 1. Direkter VergleichNur die Spiele der beiden Teams gegeneinander. Innerhalb einer Division sind das in der Regel zwei – steht es 1:1, geht es weiter. | Head-to-head |
| 2. Bilanz in der DivisionAlle Spiele gegen die drei anderen Teams der eigenen Division, also sechs Stück. | Division record |
| 3. Gemeinsame GegnerNur die Spiele gegen Gegner, die beide Teams auf dem Plan hatten. | Common games |
| 4. Bilanz in der ConferenceAlle Spiele gegen Teams der eigenen Conference. | Conference record |
| 5. Stärke der SiegeDie zusammengerechnete Bilanz aller Teams, die man geschlagen hat. | Strength of victory |
| 6. Stärke des SpielplansDie zusammengerechnete Bilanz aller Gegner – gewonnen oder verloren. | Strength of schedule |
| 7. Punkte-Rangliste in der ConferenceDer Platz bei erzielten und bei zugelassenen Punkten, addiert – gemessen an den Conference-Teams. | Combined ranking |
| 8. Punkte-Rangliste ligaweitDasselbe, aber gemessen an allen 32 Teams. | Combined ranking |
| 9. Punktedifferenz gegen gemeinsame GegnerErzielte minus zugelassene Punkte, nur in den gemeinsamen Spielen. | Net points |
| 10. Punktedifferenz in allen SpielenErzielte minus zugelassene Punkte über die ganze Saison. | Net points |
| 11. Touchdown-DifferenzErzielte minus zugelassene Touchdowns über die ganze Saison. | Net touchdowns |
| 12. MünzwurfDer letzte Ausweg – elf Kriterien stehen davor. | Coin toss |
Zwei Teams aus verschiedenen Divisions
Geht es um einen Wild-Card-Platz, stammen die Teams meist aus verschiedenen Divisions. Damit fallen zwei Kriterien weg oder ändern sich – und genau da entstehen die meisten Rechenfehler.
| Schritt | Fachbegriff |
|---|---|
| 1. Direkter VergleichGilt nur, wenn die beiden überhaupt gegeneinander gespielt haben. Das ist nicht garantiert. | Head-to-head |
| 2. Bilanz in der ConferenceRückt auf Platz zwei, weil ein Division-Rekord hier nichts Vergleichbares misst. | Conference record |
| 3. Gemeinsame GegnerZählt nur bei mindestens vier gemeinsamen Gegnern – sonst wird der Schritt übersprungen. | Common games (min. 4) |
| 4. Stärke der SiegeDie zusammengerechnete Bilanz aller geschlagenen Teams. | Strength of victory |
| 5. Stärke des SpielplansDie zusammengerechnete Bilanz aller Gegner. | Strength of schedule |
| 6. Punkte-Rangliste in der ConferenceErzielte und zugelassene Punkte, gemessen an den Conference-Teams. | Combined ranking |
| 7. Punkte-Rangliste ligaweitDasselbe über alle 32 Teams. | Combined ranking |
| 8. Punktedifferenz in Conference-SpielenHier zählen die Conference-Spiele – nicht die gemeinsamen wie in der Division-Liste. | Net points |
| 9. Punktedifferenz in allen SpielenErzielte minus zugelassene Punkte über die ganze Saison. | Net points |
| 10. Touchdown-DifferenzErzielte minus zugelassene Touchdowns über die ganze Saison. | Net touchdowns |
| 11. MünzwurfAuch hier der letzte Ausweg. | Coin toss |
Drei oder mehr Teams: erst ausdünnen, dann von vorn
Sobald drei oder mehr Teams gleichauf liegen, wird die Liste nicht einfach durchgearbeitet. Es gilt ein Verfahren mit zwei Besonderheiten, die den ganzen Ausgang drehen können.
- Pro Division bleibt nur ein Team übrig
Bei einem Wild-Card-Gleichstand mit Teams aus mehreren Divisions wird zuerst der Division-Tiebreaker angewendet. Von jeder Division bleibt nur das bestplatzierte Team im Rennen, alle anderen scheiden aus – auch wenn sie dieselbe Bilanz haben.
- Der direkte Vergleich zählt nur bei einem eindeutigen Bild
Bei drei oder mehr Wild-Card-Teams trennt der direkte Vergleich nur dann, wenn ein Team gegen alle anderen gewonnen oder gegen alle anderen verloren hat. Alles dazwischen wird übersprungen. Diese Sweep-Regel gilt ausschließlich im Wild-Card-Fall.
- Innerhalb einer Division bleibt der direkte Vergleich normal
Sind die drei Teams aus derselben Division, steht der direkte Vergleich weiter auf Platz eins – gewertet als Bilanz aus allen Spielen untereinander, ohne Sweep-Bedingung.
- Sobald nur noch zwei übrig sind, beginnt die Liste von vorn
Scheidet in irgendeinem Schritt ein Team aus und bleiben zwei zurück, startet der Zwei-Team-Tiebreaker wieder bei Schritt 1. Man setzt also nicht dort fort, wo man war.
Die Kriterien im Klartext
- Head-to-head
- Der direkte Vergleich. Nur die Spiele der beteiligten Teams gegeneinander zählen. In der Division sind das meist zwei Spiele, zwischen Teams verschiedener Divisions oft gar keines.
- Common games
- Gemeinsame Gegner. Gewertet werden nur Spiele gegen Mannschaften, die auf beiden Spielplänen standen. Im Wild-Card-Vergleich braucht es mindestens vier davon.
- Strength of victory
- Stärke der Siege. Die zusammengerechnete Bilanz aller Teams, die man geschlagen hat. Wer schwache Gegner besiegt hat, steht hier schlechter da.
- Strength of schedule
- Stärke des Spielplans. Die zusammengerechnete Bilanz aller Gegner – unabhängig vom Ausgang. Misst, wie schwer die Saison war.
- Combined ranking
- Die kombinierte Punkte-Rangliste. Der Tabellenplatz bei erzielten Punkten und der bei zugelassenen Punkten werden addiert, die kleinere Summe gewinnt.
- Net points
- Die Punktedifferenz: erzielte minus zugelassene Punkte. Steht weit unten in der Liste und entscheidet deshalb selten.
- Sweep
- Alle Spiele gegen einen Gegner oder eine Gruppe gewonnen. Nur ein kompletter Sweep – oder das komplette Gegenteil – trennt bei drei oder mehr Wild-Card-Teams im ersten Schritt.
Zwei Beispiele zum Durchspielen
Beispiel eins, gleiche Division: Zwei Teams stehen bei 11-6 und haben ihre beiden direkten Duelle geteilt. Schritt 1 bringt also nichts. In Schritt 2 zählt der Division-Rekord – 4-2 gegen 3-3 – und damit ist die Sache entschieden. Bis zur Punktedifferenz kommt es gar nicht.
Beispiel zwei, verschiedene Divisions: Zwei Teams stehen bei 10-7 und kämpfen um den letzten Wild-Card-Platz. Sie haben nie gegeneinander gespielt, Schritt 1 entfällt ersatzlos. Schritt 2 vergleicht die Conference-Bilanz: 8-4 gegen 7-5. Auch hier fällt die Entscheidung früh – und aus einem Grund, den man in der reinen Siegbilanz nicht sieht.
Was der Tiebreaker nicht regelt
Die Setzliste bestimmt nur, wer wen empfängt – nicht, wer nach einer Runde wo steht. Nach jeder Playoff-Runde wird neu gesetzt: Das verbliebene Team mit der besten Setznummer bekommt das Heimrecht. Wie die Runden aufgebaut sind, steht im Artikel zum Ablauf einer NFL-Saison.
Auch die Reihenfolge im NFL Draft wird bei gleicher Bilanz entschieden – aber nach einem eigenen Verfahren. Dort steht die Stärke des Spielplans an erster Stelle: Wer den leichteren Spielplan hatte, pickt früher. Die Playoff-Liste aus diesem Artikel gilt dafür nicht.
Häufige Missverständnisse
Kurz zum Mitnehmen
Division-Sieger stehen immer vor Wild-Card-Teams – das ist die oberste Regel. Innerhalb der Gruppen gilt eine feste Liste: in der Division zuerst direkter Vergleich, Division-Rekord, gemeinsame Gegner, Conference-Bilanz; zwischen Divisions rückt die Conference-Bilanz auf Platz zwei und die gemeinsamen Gegner brauchen mindestens vier Spiele. Bei drei oder mehr Teams wird pro Division ausgedünnt, und sobald nur zwei übrig sind, beginnt die Liste von vorn. Der Münzwurf steht ganz am Ende – bis dahin kommt es praktisch nie.