Quenton Nelson: Colts vor zweiter Guard-Markt-Setzung
Quenton Nelson geht ins letzte Jahr seines Vertrages – und Indianapolis steht vor einer der teuersten Vertragsentscheidungen der Franchise-Geschichte. Der achtmalige Pro-Bowler könnte als erster Guard der NFL-Geschichte die 30-Millionen-Dollar-Marke pro Jahr knacken.
Quenton Nelson spielt die Saison 2026 auf einem auslaufenden Vierjahres-Deal über 80 Millionen Dollar, den er nach der Preseason 2022 unterzeichnet hatte. Damals wurde er damit zum ersten Interior-Offensive-Lineman der NFL-Geschichte mit einem Jahresdurchschnitt von 20 Millionen Dollar – er setzte den Markt. Jetzt, vier Jahre später, droht eine Neuauflage derselben Situation, nur mit deutlich höheren Zahlen. Der aktuelle Guard-Markt hat sich seitdem massiv verschoben. Tyler Smith führt das Feld an mit 24 Millionen Dollar pro Jahr bei 81 Millionen garantiert, Trey Smith folgt bei 23,5 Millionen, Luke Goedeke bei 22,5 Millionen, Landon Dickerson bei 21 Millionen. Besonders bedeutsam: Center Tyler Linderbaum unterschrieb bei den Las Vegas Raiders einen Dreijahresvertrag über 81 Millionen Dollar – 27 Millionen pro Jahr – und wurde damit vorübergehend zum bestbezahlten Interior-Offensive-Lineman der Liga überhaupt. Ein Signal an den Markt. Analysten beziffern Nelsons realistischen Marktwert auf bis zu 30 Millionen Dollar pro Saison – Spotrac-Schätzungen von 23,2 Millionen pro Jahr gelten als deutlich zu konservativ. Für die Colts ist die Ausgangslage heikel. Nelson, 30 Jahre alt, achtmaliger Pro-Bowl-Spieler und in acht Saisons nur vier von 133 möglichen Spielen verpasst, wäre nach der Saison 2026 uneingeschränkter Free Agent – einer der premiertesten Spieler auf dem Markt, unabhängig von der Position. Die Franchise könnte theoretisch auf den Franchise-Tag zurückgreifen: Basierend auf seinem 2026er Cap-Hit von 24,02 Millionen Dollar würde ein Tag für 2027 rund 29,04 Millionen Dollar kosten – eine teure Absicherung, aber keine Lösung. Erschwerend kommt hinzu, dass Nelson nicht die einzige große Verlängerungsentscheidung in Indianapolis ist. Gleichzeitig stehen Verlängerungen für Running Back Jonathan Taylor und Defensive Tackle DeForest Buckner an – ein Trio, das bislang zusammen 277,9 Millionen Dollar an Vertragsgeldern verdient hat. Dazu gilt General Manager Chris Ballard in der Saison 2026 als unter Druck stehend, ebenso Head Coach Shane Steichen. Nelson selbst gibt sich öffentlich entspannt: „I'm all ball", sagte er zuletzt – die Vertragsfrage solle sich auf dem Spielfeld von selbst regeln. Der Ausgang dürfte keine große Überraschung bereiten: Wer Nelson halten will, zahlt. Die Frage ist nur, ob Indianapolis die Kontrolle über den Prozess behält – oder ob Nelson zum zweiten Mal in seiner Karriere als Free Agent den Guard-Markt neu definiert.