Brandon Aiyuk: Trade, Release oder Patt bis zum Saisonstart?

Brandon Aiyuk und die San Francisco 49ers stecken in einer verfahrenen Situation – kein Trade, kein Release, aber immer mehr Eskalation. Die entscheidende Frist rückt näher.

Seit dem 20. Oktober 2024 hat Brandon Aiyuk kein NFL-Spiel mehr bestritten. Eine schwere Knieverletzung – ACL, MCL und Meniskus – kostete ihm nicht nur den Rest der Saison 2024, sondern die gesamte Saison 2025. Parallel zum körperlichen Rückschlag eskaliert die Vertragssituation: Die 49ers stornierten nachträglich rund 27 Millionen Dollar an garantierten Zahlungen für 2026, weil Aiyuk Reha-Termine versäumte – ein eklatanter Vertrauensbruch, der die Beziehung zwischen Spieler und Franchise nachhaltig beschädigt hat.

Getradet wurde Aiyuk bislang nicht – und das hat einen simplen Grund. Wie ESPN-Insider Dan Graziano erklärt, weiß „jeder in der Liga, dass San Francisco ihn irgendwann entlassen muss", weshalb potenzielle Abnehmer schlicht abwarten. Zwei anonyme NFL-Executives bezeichneten Aiyuk gegenüber ESPN gar als „untradeable" – wegen des Knieschadens, der verpassten Saison 2025, seiner Kommunikationsprobleme und des laufenden Vertrags. Die wichtigste Deadline ist der 1. September, wenn ein Option Bonus von 24,935 Millionen Dollar fällig wird. Für die 49ers ist das der Moment, an dem Untätigkeit teuer wird.

Aiyuk selbst scheint wenig daran interessiert, die Situation zu deeskalieren. Zuletzt sorgte er mit einem Video für Aufsehen, in dem er „Go Commanders!" ruft – zuvor hatte er bereits ein mittlerweile gelöschtes Video veröffentlicht, in dem er die 49ers offen angriff. Laut einem Bericht von NFL Network-Reporter Mike Garafolo vom 20. Mai hat Aiyuk darüber hinaus auch die Kommunikation mit seinem eigenen Agenten Ryan Williams von Athletes First weitgehend eingestellt. In der Liga wird sein Verhalten in sozialen Medien offen als Zeichen mangelnder Reife gewertet – mit möglichen Folgen für die Kabine.

ESPN-Insider Adam Schefter geht davon aus, dass San Francisco Aiyuk kurz vor oder zum Start des Trainingscamps einfach entlassen wird. Als wahrscheinlichstes Ziel gelten die Washington Commanders: GM Adam Peters war einst Teil der 49ers-Personnel-Abteilung, die Aiyuk draftete, und Aiyuk ist mit Commanders-Quarterback Jayden Daniels von der gemeinsamen Zeit an der Arizona State University befreundet. Das gegenseitige Kräftemessen ist dabei offensichtlich – San Francisco will traden, Washington wartet auf den Release, und die 49ers wollen nicht releasen, weil sie glauben, Washington würde dann doch noch für einen Trade bezahlen. 49ers-Tight-End George Kittle brachte die Lage auf dem Podcast „Pardon My Take" auf den Punkt: Er lobte Aiyuks Talent, merkte aber auch an, er „würde auch nicht glücklich sein, wenn ein Team ihm 130 Millionen Dollar gezahlt hätte" – eine deutliche, wenn auch diplomatisch verpackte Warnung an potenzielle Interessenten.

Fantasy-Take

Aiyuk ist als WR1-Talent grundsätzlich hochrelevant, aktuell aber einer der riskantesten Names am Fantasy-Markt: zwei verpasste Spielzeiten, unklarer Gesundheitszustand, offener Teamstreit. Wer ihn im Redraft auf dem Zettel hat, sollte unbedingt abwarten, ob und wo er landet – erst ein bestätigtes Signing gibt Aufschluss über seine Rolle und echte Fantasy-Tauglichkeit für 2026.