Chargers: Tuipulotu-Extension stockt – droht ein Hold-in?
Tuli Tuipulotu ist der wichtigste Defensivspieler der Los Angeles Chargers – doch im letzten Jahr seines Rookie-Vertrags ist eine Verlängerung noch immer nicht in Sicht. Beim Minicamp ließ der 23-Jährige offen, ob er am Training Camp in vollem Umfang teilnehmen wird.
Die Bosa-Ära ist vorbei, die Tuipulotu-Ära hat längst begonnen. Nachdem die Chargers Joey Bosa im März 2025 entließen, etablierte sich Tuipulotu in seiner ersten Saison als Vollzeit-Starter als einer der besten acht Pass-Rusher der Liga. 13 Sacks, 23 QB-Hits, 20 Tackles for Loss und ein erstmaliger Pro-Bowl-Platz sprechen für sich – dazu die neunthöchste Pressure-Rate der gesamten Liga und eine Run-Stop-Win-Rate von 31 Prozent, die ligaweit nur von Maxx Crosby, Jared Verse und Byron Young übertroffen wurde. Trotzdem verdient Tuipulotu in seinem letzten Vertragsjahr 2026 lediglich 5,77 Millionen Dollar Grundgehalt – ein Bruchteil dessen, was der Markt für einen Spieler seiner Klasse hergibt. Spotrac schätzt seinen Marktwert auf vier Jahre und 74,68 Millionen Dollar, Analysten nennen vier Jahre und 110 Millionen Dollar als Untergrenze. Zum Vergleich: Nik Bonitto unterschrieb bei den Denver Broncos einen Vierjahresvertrag über 106 Millionen Dollar – Tuipulotu ist zwei Jahre jünger und dürfte noch höher einzustufen sein. Bei den weiter steigenden Edge-Rusher-Gehältern sind mehr als 25 Millionen Dollar pro Jahr realistisch. Chargers-GM Joe Hortiz hatte beim NFL Combine im Frühjahr eingeräumt, dass Verhandlungen mit Tuipulotu noch nicht aufgenommen worden seien: „No, we have not begun them with Tuli yet. We have a little bit of time... but we want Tuli around for a long time." Mitte April signalisierte Hortiz, er führe Gespräche über Extensions mit Derwin James und Tuipulotu. Den Deal mit James – drei Jahre, 75,6 Millionen Dollar – schloss er seitdem ab. Bei Tuipulotu fehlt die Einigung bislang. Der Spieler selbst gab sich beim Pflicht-Minicamp am 17. und 18. Juni diplomatisch, machte aber klar, dass er die Verhandlungsführung seinem Agenten überlässt. Auf die direkte Frage von ESPN-Reporterin Kris Rhim, ob er im Training Camp bestimmte Aktivitäten aussetzen würde, antwortete Tuipulotu: „Time will tell. We'll see what's up, for sure." Am letzten Minicamp-Tag bestätigte er zwar seine Anwesenheit beim Training Camp – schloss einen sogenannten Hold-in jedoch nicht aus. Das Muster erinnert an Rashawn Slater, der im vergangenen Jahr am Minicamp und Training Camp teilnahm, dabei aber gezielt eine Reihe von Teamaktivitäten aussetzte, bis sein Rekordvertrag unterschrieben war. Die Chargers wissen, was auf dem Spiel steht: Tuipulotu ist neben Derwin James der wichtigste Defensivspieler des Kaders – und jede Unruhe im Training Camp ist eine Unruhe, die sie sich angesichts des Umbruchs nach der Bosa-Khalil-Mack-Ära kaum leisten können.